Guten Tag, Soldat...

Guten Tag, Soldat...

 

Guten Tag, Soldat...

ich schreib dir diesen Brief aus der tiefen, in die Unterwasserstille getauchte Finsternis des Morgens. Von dem Tag an, an dem du für unsere Heimat in den Krieg gezogen hast, bricht jeder Morgen mit den Geschossknallen, Raketenangriffen, mit der blutigen Stille voller Explosionen an...  

Hier hat sich seit dem Tag, an dem du in den Krieg gezogen hast, alles geändert - Nächte, Tage, Gedanken, Gefühle sowie unsere Beziehungen... Obwohl die Umgebung nachts fast still ist, gibt es tatsächlich keine Ruhe, keinen Schlaf. Jede Familie, jede Person folgt dir auf rutschigen Wegen, auf steilen Felsen und fängt Kugeln und Bombensplitter mit Brust und Handflächen in der Luft.

Wo bist du jetzt, Soldat? Hörst du unsere Geräusche? Fühlst du, dass deine Landsleute, die in der frostigen Februarnacht mit Folterung getötet wurden, und die Einwohner von Chodschali, die barfuß in die verschneiten Wälder geflohen sind, dir Schulter an Schulter mit uns folgen? Ich weiß, dass dein Körper, der sich durch den Schmerz unserer Märtyrer, unserer unschuldigen Opfer verhärtet, spürt die Schusswunden nicht. Selbst wenn dein verwundeter und müder Körper auf den Boden fallen würde, würde die heilige dreifarbige Flagge, die du in deinem Herzen trägst, nicht fallen! Ich weiß, dass du diese Flagge bis zu deinem letzten Atemzug aufrecht halten wirst, mein tapferer Soldat!

„Das Land ist eine Heimat, wenn jemand dafür stirbt!“ Aber das Heimatland besteht nicht nur aus dem Land, der Natur, den Wäldern, Bergen! Die Heimat bist du selbst, Soldat! Der tapfere Soldat!

Lang lebe Soldat! Es lebe die tapfere Heimat!

Afag Masud

 

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