„Laili und Madschnun“ von Nizami Gandschawi erschien in Kiew

„Laili und Madschnun“ von Nizami Gandschawi erschien in Kiew

Im Zusammenhang mit dem in Aserbaidschan erklärten „Nizami-Jahr“ wurde das Poem „Laili und Madschnun“ des großen aserbaidschanischen Dichters Nizami Gandschawi in Kiew veröffentlicht. Das Buch, das im Verlag „Yaroslavov Val“ erschienen ist, wurde vom prominenenten ukrainischen Dichter und Übersetzer Leonid Pervomayski übersetzt. Der Redaktor des Buches ist Grigori Guseynov und der Autor des Vorworts Agafangel Krimski.

 

Vorwort

Studieren des Erbes von Nizami Gandschawi

    Nizami Gandschawi (1141–1209), dessen vollständiger Name Ǧamāl ad-Dīn Abū Muḥammad Ilyās ibn Yūsuf ibn Zakī ibn Mu’ayyid war, war der größte romantische (genauer romantisch-sufistisch) Dichter von Aserbaidschan, eine unerschöpfliche Quelle der Nachahmung für die nach ihm kommenden persischen romantischen Dichter, sowie ein genialer Künstler, aus dessen Werken die Vertreter der türksprachigen Literatur großen Nutzen zogen. Sein Leben und seine Biografie wurden sowohl von seinen Zeitgenossen als auch von Historikern und Literaturkritikern, die in kommenden Jahrhunderten gelebt haben, nicht in allen Einzelheiten ins Licht gebracht.

    Der erste Artikel über seine Biografie, der mehr oder weniger genau und logisch ist, wurde fast 300 Jahre nach dem Tod des Dichters geschrieben. Dawlatšāh (15. Jahrhundert) aus Zentralasien (Samarqand) widmete Nizami einen dreiseitigen Abschnitt seiner anthologischen und kumulativen Sammlung von Dichterbiografien „Tazkiratush-Shu'ara“ (Erinnerungsnotizen über Dichter, 1487). Obwohl der Artikel von Dawlatšāh nicht vollkommen ist, enthält der Artikel einige wertvolle Informationen. Zum Beispiel stellte der Autor in diesem Abschnitt fest, dass Nizami der fleißigen Sufi-Bruderschaft nahestand. Einer der wichtigen Punkte, den Dawlatšāh in diesem Buch schrieb, ist, dass Nizami und sein Bruder, Dichter Kiwami, ein gemeinsames (vielleicht genealogischen) Pseudonym „Mütarrizi“ hatten und daraus können wir interessante genealogische Schlussfolgerungen über die Herkunft dieser Familie ziehen.  

    Aufi, zeitgenössischer Literaturhistoriker und Anthropologe, nahm die Werk von Nizami in seine historisch-literarische Anthologie auf, ohne über die Biografie des Dichters zu schreiben. Erst nach dem Tod dieses großen aserbaidschanischen Dichters hat Aufi das Werk „Lubāb al-albāb“ (Besten unter  den Talenten) bereits beendet. Aber die Schriften wurden zweifellos zu Lebzeiten des Dichters gesammelt. Aufi veröffentlichte in seiner Sammlung drei lyrische Gedichte von Nizami. Das dritte Gedicht (kurze Elegie) war dem frühen Tod des Sohnes des Dichters gewidmet. Diese Elegie beschreibt, wie der Sohn seinen ehrbaren Platz unter den glücklichen, strahlenden Bewohnern des Paradieses einnahm und wie der Vater, der die Trennung nicht länger ertragen konnte, blutige Tränen vergoss.

    wie Aufi gab auch Jami, Dichter und Historiker aus dem späten 15. Jahrhundert, überhaupt keine Angaben zur Biografie von Nizami. Im 7. Kapitel seines Werkes "Frühlingsgarten" („Baharestan“,1487) benutzte Jami einen entschuldbaren Vorwand für sein Schweigen, ohne sachliche Angaben über das Leben des Dichters zu machen. Persönlich nehmen wir die Worte von Jami zumindest als Begründung: „Prächtiges Talent, Würde und Vollkommenheit von Nizami bedürfen keiner Erklärung. Dieses Talent übersteigt die menschlichen Fähigkeiten.“

    Bis zum dritten Viertel des 19. Jahrhunderts hatte die europäische Orientalistik, teilweise aufgrund persischer Quellen, kein vollständiges und genaues Bild seiner Persönlichkeit und seines Lebens. Erstmals erhielten Europäer mehr oder weniger glaubwürdige Informationen über Scheich Nizami aus dem Werk von Joseph von Hammer. In dem den Schriftstellern aus dem 12. Jahrhundert gewidmeten Abschnitt dieses Werkes deckt ein großer Teil das Schaffen von Nizami ab. In Hammers Buch wurden einzelne Beispiele aus seinem Schaffen ins Deutsche übersetzt und in Form von Prosa und Poesie vorgestellt. Unabhängig davon, wie schwach (oft sogar ungenau und falsch) Hammers Übersetzungen waren, gelang es dem Autor, den Europäern das Erbe von Nizami nahezubringen. Obwohl die Übersetzungen die Besonderheiten der Weisheit von Nizami nicht widerspiegelten, schätzte das Genie der deutschen Poesie Goethe nach einem Jahr basierend auf die nachlässigen Beispiele des Werkes „Geschichte der persischen Literatur“ in seinem Buch „West-östlicher Divan“ Nizami hoch und nannte ihn „sanften, talentierten Dichter“. 

    Man kann mit Sicherheit sagen, dass eine eingehendere Untersuchung des Erbes von Nizami erst 1871 begann, als der junge Wissenschaftler Wilhelm Bacher seine Dissertation " Niẓâmî's Leben und Werke und der Zweite Theil des Niẓâmîschen Alexanderbuches " schrieb. Bei der Untersuchung der lyrischen Merkmale von Nizami in seinem Hauptwerk „Chamsa“ war ihm das autobiografische Material in diesen Werken eine große Hilfe. Bacher, der versuchte, die aus Nizamis Werken entnommenen wichtigen Informationen in einer Komposition zu sammeln, konnte ein Werk schaffen, das aus wissenschaftlicher und methodischer Sicht noch immer als Hauptquelle gilt.

    Y.E. Bertels war einer der ersten, der versuchte, „Haft Peykar“ von Nizami dem russischsprachigen Publikum vorzustellen. Es geht um die prosaische Übersetzung der Geschichte der vierten Schönheit im Blauen Schloss. Wie wir wissen, wandte sich Bertels später immer wieder dem Schaffen von Nizami zu. In seinem anderen Werk gab der Autor eine anderthalb-seitige, sehr prägnante, aber präzise und wissenschaftliche Information über Nizami: „Nizami zeichnet sich auch durch große Kenntnisse bei der Verwendung von Ausdrücken aus, die auf einem sensiblen Psychologismus basieren, und seine Nachahmer, anstatt sich auf diese Qualitäten zu konzentrieren, konzentrierten sich nur auf den Klang seiner Gedichte und Komplexität seines Stils...“

    Am Vorabend des 800-jährigen Jubiläums des großen aserbaidschanischen Dichters Nizami nahm das Interesse an dem Schaffen des Dichters in wissenschaftlichen Kreisen zu. Es gibt drei oder vier wichtige Bücher über dieses bemerkenswerte Ereignis. Eine davon ist die „Anthologie der aserbaidschanischen Poesie“, die von VA Lugovski und Samed Vurgun herausgegeben wurden. Das Buch hat einen speziellen Abschnitt, der Nizami gewidmet ist, und das Vorwort zu den Beispielen aus seinen Werken enthält Gedanken über den großen Dichter. Eine der unbestrittenen Ideen des Artikels über den Dichter ist, dass Nizami, obwohl er seine Werke auf Persisch schrieb, immer noch ein aserbaidschanischer Dichter war. Tatsächlich beginnt die Geschichte der Entwicklung der aserbaidschanischen Literatur nicht zu der Zeit, als diese Nation auf Türkisch schrieb, sondern mit den Beispielen anderer lokaler Autoren (obwohl sie auf Persisch schrieben), die aus früheren Zeiten stammten, sowie mit den Werken älterer albanischen Autoren.

    Eine der wertvollen Forschungsarbeiten ist das Werk „Der große aserbaidschanische Dichter Nizami“ von Y.E. Bertels. Als Fortsetzung des Buches schrieb der Autor drei weitere Artikel: „Einige Aspekte in der Untersuchung des Erbes von Nizami“, „Die Quellen in Laili und Madschnun“ und „Nizami und Firdovsi“.

    Ich muss noch ein paar Worte sagen. Meine Ansichten zu dokumentarischen Fakten, die detailliert und wahrheitsgetreu belegen, dass die Generation Mutarrizi, die zu Beginn des 12. Jahrhunderts in die aserbaidschanische Stadt Gandscha, die Heimat des Dichters umgezogen sind, türkischer, vielleicht türkestanischer Herkunft war, können als biografische Entdeckung und Neuheit große Interesse wecken. 

    Ich habe versucht, die verschiedenen Aspekte seines Lebens und seiner literarischen Tätigkeit mit den sozialen Merkmalen und Ansichten der Sufi-Bruderschaft zu verbinden, der der Dichter schon in seiner Jugendzeit beitrat. Nachdem ich in den vorangegangenen Kapiteln etwas über die Forschung europäischer Forscher zu Nizami erfahren hatte, wandte ich meine Aufmerksamkeit dem Studium des politischen und spirituellen Lebens vom Iran und von Aserbaidschan während der Seldschuken-Atabegs-Zeit. Zu dieser Zeit, im 12. Jahrhundert, genoss Aserbaidschan die reichen Vorteile der arabischen und persischen Kultur des Iran, des Nahen Ostens und leistete erhebliche Beiträge zu diesem Schatz. Ein Weltgenie Nizami wuchs in einer solchen Umgebung auf. Es ist kein Zufall, dass Nizami sowohl seine Heimat Aserbaidschan als auch den Iran, der sein Schaffen als sein eigenes betrachtet, gleichermaßen mit Stolz erfüllt.

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